Die Presse über Anke Engelsmann
Lesen macht die Menschen netter
"Der Text ist nur die Spitze des Eisberges. Das, was darunter ist, ist das Entdeckenswerte." Den Gehalt von Literatur vermitteln, sei ihr Ziel als Vorleserin.
Ob Texte von Christa Wolf, Wolfgang Hildesheimer oder Julio Cortazar - Engelsmann möchte die Leute mit ihren Leseergebnissen berühren. "Ich will Fenster öffnen." Die Voraussetzung: nahe am Publikum sein. "Ich bin zu weit weg", sagte sie denn auch zu Beginn der Lesung und rückte den Sessel näher an die Hörer.
Es sei ihr Anspruch, "das Publikum netter zu machen", sagt sie. Ob sie es erreicht hat? Am Ende der Lesung dankte ihr ein Zuhörer für den schönen Sonntag. Da war es gerade ein Uhr mittags.
(Philipp Holstein, Rheinische Post)

Wie jedermann heiße ich Erik Satie
mit Anke Engelsmann und Dietmar Kirstein (Piano)
Anke Engelsmann und Dietmar Kirstein eint ihre Liebe zu dem französischen Komponisten und Querdenker Erik Satie, was sie aber in bester Satie-Manie überhaupt nicht davon abhält, mit seinem Material angemessen respektlos umzugehen. So bringen die beiden z.B. die himmlischen Klänge der "Gymnopédie 1" und "Die Kanalisation" problemlos in einen Zusammenhang, ...eine wundersame und wunderbare Gleichzeitigkeit von Musik und Text ...so vorgetragen, als ob sie füreinander gemacht wären.
Mit begründetem Selbstbewußtsein schreiben die beiden (frei nach E.S.) in das CD-Booklet: "Haben Sie trübe Gedanken, ein Brennen in der Magengrube? Schnell, legen Sie diese Erik Satie Compact Disc ein. Worte und Musik und was-weiß-ich-noch alles. Einmal hinhören heißt immer wieder hören." Ich gebe den beiden recht.
... Auf ihrer CD demonstrieren die beiden auf eindrucksvolle Weise, wie doch zusammengeht, was eigentlich nicht füreinander gemacht war, so z.B. auch die "Gnossienne 3" und ihre hier hörbar gemachten originalen Spielanweisungen ...
... Dietmar Kirstein und Anke Engelsmann beschäftigen sich auf sehr ungewöhnliche und beeindruckende Weise mit Saties Musik und Texten und - was sagen die beiden Ausführenden ganz frech dazu: "Es ist wirklich unglaublich und einzigartig auf der Welt."
Stimmt. Auch diese CD ist mehr als eine Bremensie.
Marita Emigholz (Radio Bremen)
Modernes Märchen verzaubert
Kleiner Prinz in „Kunst & Bühne”
CELLE. ...Am Sonnabend brachte sie die „Celler Fassung“ eines der bekanntesten Werke der Weltliteratur mit und holte sowohl schauspielerisch als auch emotional wieder alles aus dem Büchlein raus. Sie spielte die eitle Rose, eine lispelnde Blume, den coolen Fuchs und den noch cooleren Weichensteller. Klar wurden Sätze wie das Geheimnis des Fuchses, das er dem kleinen Prinzen anvertraut, fast schon zu häufig zitiert. Doch die Wahrheit der Aussage ändert sich nicht: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Engelsmann ließ die illustrierte Erzählung des französischen Autors nicht nur stimmlich und mimisch lebendig werden, sondern bebilderte sie zudem mit bunten Zeichnungen, die ihr Vater extra für die Lesung angefertigt hat. Auch als Stoffpüppchen war der kleine Prinz anwesend, der seine Leser und Zuhörer stets aufs Neue fasziniert mit seiner reinen, reichen Sicht auf die Welt. Wie wenig die Erwachsenen sich dem zarten Gemüt des kleinen Wesens zu entziehen vermögen, zeigte sich auch in der Lesung, in der gegen Ende so manch einer leise schluckte. „Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen ... Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast ...“ heißt es in dem modernen Märchen... Und weiter: „Die Menschen bei Dir zu Hause“, sagte der kleine Prinz, „züchten fünftausend Rosen in ein und demselben Garten ... und doch finden sie dort nicht, was sie suchen ...“
(Aneka Schult)
William Shakespeares MASS FÜR MASS
(Bremer Fassung)
"Bemerkenswert das Agieren der Schauspieler, die in Sekunden in eine neue Rolle schlüpfen müssen. Verblüffend, wie Peter Kaempfe als Lucio die Bühne verläßt, um einen Augenblick später als Angelo hinter dem schwarzen Vorhang hervorzutreten. Verblüffend auch, mit welcher Selbstverständlichkeit Anke Engelsmann aus der Frauenrolle in die Männerrollen schlüpft."
Süddeutsche Zeitung
William Shakespeares TROILUS UND CRESSIDA
„Shakespeare als Volkstheater“
Bremer Shakespeare Company gastierte in Weimar zu den Shakespeare-Tagen 1989.
...Das Lager der Griechen glänzte durch die brillant gespielte Senilität
des Agamemnon (Anke Engelsmann)...
...Das Publikum in der restlos ausverkauten Weimarhalle honorierte die Leistungen
mit frenetischem Szenen- und Schlußapplaus...
Jürgen Ronthaler, "Theater der Zeit", Berlin DDR 1989
Anke Engelsmann liest
"Hilfe, die Herdmanns kommen"
von Barbara Robinson
Fest der Gefühle:
Ein komisch-rührendes Krippenspiel
Von Aneka Schult
CELLE. Sie ist mittlerweile ein Klassiker der Weihnachtszeit, die Erzählung „Hilfe, die Herdmanns kommen“ von Barbara Robinson. Am Sonntag überfielen die Herdmann-Kinder Celles Kunst & Bühne. Doch anstatt den gemütlichen Kreis in Schutt und Asche zu legen, wie es sonst für gewöhnlich ihre Art ist, brachten sie die zahlreich erschienenen Gäste zum Lachen, besonders die Kleinen. Am Ende wurde es dann still. Leichtes Schluchzen war zu hören. Denn der Zauber von Weihnachten kam plötzlich ganz nah an einen heran.
Ein Grund dafür war nicht nur die zauberhafte Geschichte, sondern auch jene Bühnenkünstlerin, die sie las. Anke Engelsmann... ist seit 2001 jedes Jahr zu Gast in Celle,... um die Erzählung von den „schlimmsten Kindern aller Zeiten“ mit Leben zu füllen.
Es war eine Freude, Engelsmann dabei zuzusehen und zuzuhören, wie sie die Opfer zittern und die Herdmanns garstig triumphieren ließ. Mal einfühlsame Mutter, mal wilde, herrschsüchtige Hedwig und dann wieder neunmalkluge Alice – dank der Erzählerin konnten die unterschiedlichsten Charaktere bildlich aus dem Buch erwachsen. Weder war sich Engelsmann zu schade, kreischend und Haare raufend in Rage zu kommen, noch lispelnd die schüchternen Erstklässler zu spielen.
So jagte ein Streich der Herdmanns den nächsten und Engelsmann mit einem Affenzahn durch die Geschichte. Gekonnt leitete sie die Wende ein, nämlich dort, wo „Ralf, Eugenia, Leopold, Klaus, Olli und Hedwig“ es tatsächlich schaffen, das hochheilige, jährliche, aber verstaubte Krippenspiel an sich zu reißen. Anstatt der Hölle, die alle Romanfiguren wie wohl die meisten Zuhörer erwarteten, passierte das, was man ein Wunder nennen kann. Während jahrein, jahraus Maria mit Joseph geistlos von Herberge zu Herberge zieht, erfüllen die Herdmann-Kinder die Weihnachtsgeschichte mit eigenem Leben. Das ist der Grund, warum nicht nur Kinder die Erzählung lieben, warum Engelsmann sie so unheimlich gerne spielt und – man will es zwar nicht zeigen – aber warum verstohlen kleine Wassertröpfchen in die Augen fließen.
Liebes Publikum,
seit Dezember 2001 kommt Anke jedes Jahr zur Weihnachstszeit mit diesen herrlich furchtbaren Herdmanns.
Für mich ist das Weihnachten, Weihnachten auf den Punkt gebracht, so das auch ich was mit Weihnachten anfangen kann.
Ich komme jedesmal aus dem Lachen nicht raus und am Ende bekomme ich vor Rührung feuchte Augen.
Und es erging bisher wohl jedem so.
Publikum Willi, den ich gestern im Kino traf, hat es bisher kein einziges Mal verpasst und ist wieder in freudiger Erwartung.
Anke - ist eine tolle Schauspielerin.
Ich habe sie in Hauptrollen und Nebenrollen gesehen. Sie ist vollkommen authentisch, ist auf der Bühne wie privat. Viel Humor, lebendig, ganz ernsthaft und ruhig im Thema, sie arbeitet bei jedem Stoff immer was Wesentliches heraus, verleiht den Menschen auf der Bühne mit wenigen Gesten eine Biografie, ist sehr präsent ohne sich in den Vordergrund zu spielen, verleiht dem was sie spielt einfach Herz.
Stefan Eichardt, Veranstalter, Celle, 3.12.2005
Anke Engelsmann liest
"Die Geschichte von Herrn Sommer"
von Patrick Süskind
Anke Engelsmann im "Atelierhaus Randolff"
Die Versuchung, die Augen zu schließen und das Gehörte ungestört zu geniessen, war groß. Wer sich der Verführung aber hingab, hatte etwas verpasst. Am Sonntag Morgen war die Schauspielerin Anke Engelsmann zu Gast im "Atelierhaus Randolff", um aus Patrick Süskinds Roman "Die Geschichte von Herrn Sommer" zu lesen. Das Ereignis war aber nicht der Text, sondern seine Interpretin.
Anke Engelsmann las nicht einfach vor, sondern flüsterte, stöhnte und krächzte. "Ich mache gern Lesungen", sagt die Mitbegründerin der Bremer Shakespeare Company. "Beim Lesen hat jeder Zuhörer seinen eigenen Film im Kopf, es bleibt Raum für Fantasie."
Rheinische Post